Posted on Jun 21, 2019
Japan Reise/Fellowship von Sonntag, 28. April, bis Sonntag, 5. Mai 2019 – Eintauchen in eine andere Welt.

Jedes Jahr begeht Japan Ende April/Anfang Mai die sogenannte „Goldene Woche“, eine arbeitsfreie Woche. Grund dafür ist eine Ansammlung von 4 beachtlichen nationalen Feiertagen:

Shōwa no Hi 昭和の日

Den Auftakt bildet am 29. April der “Shōwa-Tag”, der Geburtstag des 1989 verstorbenen Kaisers Hirohito, der posthum als Shōwa-tennō bezeichnet wird. Zu Ehren des Tages werden öffentliche Tänze aufgeführt und Bänder aufgehängt.

Der Feiertag wurde eingeführt, um die japanische Bevölkerung zur Reflektion über die turbulenten Jahre der Shōwa-Ära (1926-1989) zu animieren, die unter anderem den Zweiten Weltkrieg und Japans enormes Wirtschaftswachstum nach Ende des Kriegs einschließt.

Kempō Kinen-bi 憲法記念日

Am 3. Mai folgt der “Verfassungs-Tag”. Dieser zelebriert den Tag, an dem 1947 die neue Nachkriegsverfassung in Kraft gesetzt wurde, worauf Deutschland immer noch wartet.

Midori no Hi みどりの日

Direkt auf den Kempō Kinen-bi folgend wird am 4. Mai der “Tag des Grüns” gefeiert. An diesem Tag finden viele zeremonielle Baumpflanzungen und Ausflüge in die Natur statt.

Kodomo no Hi こどもの日

Den Abschluss der Goldenen Woche bildet der “Tag des Kindes” am 5. Mai. Dieser Tag ist eigentlich ein Fest für Jungen. An diesem Tag wird die Stärke, der Erfolg und die Zukunft der Jungen zelebriert. Das Äquivalent für Mädchen ist das Hina matsuri-Fest am 3. März.
 

Das herausragende der Goldenen Woche in diesem Jahr war, daß in diesem Zeitraum der  bisherige Kaiser Akihito zurücktrat und am Folgetag sein Sohn Kronprinz Naruhito als neuer Kaiser inthronisiert wurde.


Bild links: Die zeremonielle Verabschiedung des Kaisers von den Vorfahren und von den Göttern. Bild rechts : Die offizielle Abdankung von Kaiser Akihito am 30 April 2019, vor 300 geladenen Gästen. Es war eine kurze, ergreifende Zeremonie.

In seiner kurzen  Ansprache zum Thronverzicht sagte der 85-jährige Tenno, er habe seine 30-jährige Herrschaft mit "tiefem Respekt und mit Liebe für das Volk" ausgeübt. Er danke dem japanischen Volk "von Herzen", daß es ihn als "Symbol des Staates akzeptiert und unterstützt" habe.

An der Zeremonie nahmen mehr als 300 Menschen teil, darunter neben Mitgliedern der Kaiserfamilie auch Vertreter von Japans Regierung und Parlament, hochrangige Richter und regionale Regierungschefs.

Regierungschef Shinzo Abe würdigte das Wirken des Kaiserpaares. Akihito und seine Frau Michiko hätten den Japanern "Mut und Hoffnung" gespendet insbesondere in schweren Zeiten. "Seine Majestät hat die Verantwortung als Symbol Japans erfüllt", sagte Regierungschef Abe.
 

Die Regentschaft von Kaiser Hiroito endete um Mitternacht. Am folgenden Tag, dem 1. Mai 2019, fand die Inthronisierung seines 59jährigen Sohnes Kronprinz Naruhito statt. Kaiser Emeritus Hiruito selbst nahm an der Thronbesteigung seines Sohnes nicht mehr teil, um den neuen Kaiser nicht zu stören.
 


Bilder: Die schlichte Zeremonie der Inthronisierung von Kronprinz  Naruhito zum Kaiser von Japan, mit Vertretern der Kaiserfamilie und Regierungschef Shinzu Abe mit seinem Kabinett.

 

In Thailand wurden nahezu zeitgleich die Feierlichkeiten zur Krönung des neuen Königs, Rama X, abgehalten, vom 4. bis 6. Mai 2019, im Gegensatz hierzu eine prunkvolle Zeremonie.


Bild : Rituelle Waschung durch den Supreme Patriarch von Thailand mit heiligem Wasser, am Vorabend der Krönung.
 

Die Zeremonie  folgt einer langen Tradition und symbolisiert die notwendige Läuterung zur bevorstehenden Amtseinführung.  


Bild : König RamaX und Königin Suthida

 


Bilder: Das neue Thailändische Königspaar, Seine Majestät King Maha Vajiralongkorn Bodindradebayavarangkun (RamaX) und Ihre Majestät Königin Suthida Vajiralongkorn Na Ayudhya.

Wir hatten einen Nachtflug von Bangkok nach Tokyo-Narita gewählt.
Kurz vor dem Anflug auf Tokyo sahen wir eine ganze Weile den schneebedeckten Berg Fujiyama bei klarem, blauen Himmel, im Morgenlicht.

Takasumi Shingai, unser japanisches Clubmitglied, hatte uns am Flughafen Narita abgeholt, wo wir bereits um 9 Uhr landeten. Unser Hotel lag zentrumsnah in Asakusa, wo Margrets Cousin schon auf uns wartete. Er hatte durch ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) das Land bereits als Student kennen und lieben gelernt und lebt und arbeitet jetzt in Tokio als Jurist.

Zu viert zogen wir dann am gleichen Tag los, Tokio kennenzulernen, vor allem die Kulturstätten.

Wir trafen als erstes am Meji Jingu Schrein ein, gelegen in einem wunderschönen alten Baumbestand, als gerade 2 Hochzeitspaare in der landestypischen Kleidung würdevoll zur Trauung geführt wurden:

 

Anschließend drängten wir uns durch die Takeshita Dori, eine enge Straße mit allen Einkaufsangeboten für die Jugend, besonders für junge Mädchen

Zu Abend aßen wir in einem Restaurant-Komplex mit engen kleinen Lokalen, Shibuya Niku Yukuchu, Nihonbashi benannt, nach der Brücke, die wir am nächsten Tag im Edo-Museum betreten konnten.

In den Lokalen darf geraucht werden, auf den Straßen nicht.


Bild, v. links: Rotary Club-Mitgied Takazumi aus Japan, Margrets Cousin Eiko und Margret.
 

In Japan herrscht Linksverkehr, wie auch in Thailand. Auch als Fußgänger geht man links. Der Autoverkehr hält sich in Grenzen, da der öffentliche Nahverkehr hervorragend ausgebaut ist und ständig erweitert wird.

Wohltuend die überall zu bestaunende Sauberkeit, obwohl es fast keine Papierkörbe oder Mülleimer mehr gibt. Dies ist die Konsequenz aus einem verheerenden U-Bahn Attentat im Jahre 1995, bei dem mehr als 6.000 Menschen verletzt wurden und 13 starben. Abfälle werden mit nach Hause genommen.
 

Am Folgetag besuchten wir das Edo-Tokyo-Museum in Yokoami.  Edo ist der frühere Name von Tokio, umbenannt 1868. Wir bewunderten viele Originale aus der Geschichte und der Alltagskultur der vergangenen 400 Jahre als Regierungszentrum des Landes. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde Edo mit einer Bevölkerung von etwa 1 Million Menschen zu einer der größten Städte der Welt.

Heute ist Tokio laut UNO-Sta­tis­tik mit 38 Mil­lio­nen Ein­woh­nern die größ­te Stadt der Welt. Es  fol­gen Jakarta mit 32 Millionen, Delhi mit 27 Mil­lio­nen und Manila mit 25 Millionen. Auch in den kom­men­den Jah­ren wird die japa­ni­sche Haupt­stadt wei­ter wach­sen, so die Prognosen.
 

Das Stadtbild in den Zentren wird weitgehend geprägt durch zweckmäßige Hochhäuser, jedoch finden sich noch an vielen Stellen traditionelle Häuser mit beeindruckenden Dachformen.

Erwähnenswert ist die Vielzahl großer Buchläden, die auch von der jüngeren Generation stark frequentiert werden.

 

Der älteste Tempel Tokios ist der Sensouji Shrine, ein Buddhistischer Tempel in Asakusa aus dem 7. Jahrhundert, auch bekannt als Asakusa Kannon Tempel. Es ist einer der buntesten und beliebtesten Tempel Tokios.

Die Legende besagt, daß zwei Brüder im Jahr 628 eine Statue von Kannon, der Göttin der Barmherzigkeit, aus dem Sumida-Fluss gefischt haben, und obwohl sie die Statue wieder in den Fluß gestellt haben, ist sie immer zu ihnen zurückgekehrt. Folglich wurde Sensoji in der Nähe für die Göttin von Kannon gebaut.

Der Tempel wurde im Jahr 645 n.Chr. fertiggestellt und ist damit der älteste Tempel Tokios.


Bilder: Sensouji Shrine, ein Buddhistischer Tempel in Asakusa aus dem 7. Jahrhundert, auch bekannt als Asakusa Kannon Tempel.

 

Am Dienstag, 30 April, verließen wir Tokio und fuhren ins Inland, nach Nagano, wo Club Mitglied Takazumi zu Hause ist. Wir fuhren mit der Hokuriku Shinkansen Line, 222 km, in 1 Stunde und 24 Minuten in großzügigen, gepflegten Wagen, pünktlich.

Speisewagen gibt es nicht. Es herrscht Selbstverpflegung. Beim Aussteigen nimmt sogar ein Bediensteter den Müll entgegen.
 

Nach unserer Ankunft in Nagano brachte uns Takazumi in seinem Wagen zu einem der bedeutendsten und populärsten Tempeln Japans, dem  Zenkoji Tempel. Er wurde in der Auka Ära (592-710) gebaut, ungefähr vor 1400 Jahren. Der Tempel ist überkonfessionell und lockt insofern jedes Jahr viele Besucher aus ganz Japan an, um ihn zu besichtigen und dort zu beten. Der Tempel bewahrt die erste Buddha-Statue auf, die jemals nach Japan gebracht wurde, als der Buddhismus im 6. Jahrhundert nach Japan kam.


 

Vor allem, wenn alle sieben Jahre die Buddha-Statue für einige Wochen enthüllt wird, kommen in dieser Zeit rund 6 Millionen Besucher hierher. In dieser Zeit wird der Maedachi Honzon, der normalerweise in einer Schatztruhe aufbewahrt wird, vor dem Tempel ausgestellt. Die nächste Gelegenheit besteht im Jahr 2021.

Für Nagano war der Zenkoji Tempel entscheidend für die Entwicklung. Viele japanische Großstädte haben sich entweder aus Burgen-, Hafen- oder Tempelstädten entwickelt. Im Falle von Nagano wuchs es aus einer Tempelstadt, die sich um diesen wichtigen Tempel Zenkoji entwickelte.

 

Um 17:30, an diesem Tag, dem 30. April 2019, trat Kaiser Akihito zurück. Es war seit 200 Jahren der erste Rücktritt eines Kaisers  in Japan.

 

Am Mittwoch machten wir einen Ausflug nach Matsumoto und in die Berge. Stellenweise lag noch Schnee, sodaß wir auch einen Schneeball formen konnten.

Um 11 Uhr wurde der neue Kaiser Naruhito in sein Amt eingeführt, womit die Ära REWA begonnen hat. Der Begriff Reiwa läßt sich übersetzen als „Ordnung“ und „Frieden“ oder als „Harmonie“. Die Wortwahl verweist auf Manyoshu, eine Sammlung japanischer Gedichte aus dem achten Jahrhundert. Ministerpräsident Shinzo Abe wertete das als Symbol für die lange japanische Geschichte und Tradition des Kaiserhauses, die den künftigen Generationen nahegebracht werden sollten.

Der Name ist auch als politisches Signal zu verstehen. Reiwa bedeute, daß Japan ein Land sein möge, in dem die Menschen auf schöne Weise zusammenleben, erläuterte Ministerpräsident Shinzo Abe. Es solle eine Gesellschaft schaffen, in der alle Menschen aktiv sein können und alle blühen könnten.

Donnerstag, 2.5., besuchten wir einen Shinto-Schrein in Togakushi.

Der Togakushi-Schrein ist ein Shinto-Schrein, bei der heute zu Nagano gehörenden Ortschaft Togakushi. Er liegt in den bewaldeten Togakushi-Bergen, die seit alters her als heilig gelten.

Der Togakushi-Schrein besteht aus drei einzelnen Heiligtümern. Der Weg zum Okusha, dem oberen Heiligtum, führt durch eine Allee von etwa 900 Jahre alten Japanischen Zedern.

Am Weg zum Schrein befindet sich eine ganze Reihe Restaurants, die die in Japan berühmten Soba-Nudeln aus Togakushi anbieten.

Der Schrein ist außerdem für seine Kogura bekannt, zeremonielle Tänze, die hier auf eine 1.300 Jahre alte Tradition zurückblicken sollen.

Der Andrang zum Tempel war jedoch an diesem Tag so groß, daß alle Zugangsstraßen in diese Bergregion hoffnungslos verstopft waren. Wir nutzten daher, nach etlicher Wartezeit, die erste Möglichkeit, um wieder talwärts abzubiegen. So bleiben uns lediglich die Bilder aus dem Internet als Zielvorstellung.

 

Wir suchten uns stattdessen ein traditionelles japanisches Restaurant und bestellten dort die Soba-Nudeln aus Buchweizen mit Tempura (frittiertes Gemüse). Soba-Nudeln haben weit weniger Kalorien als Nudeln aus Weizenmehl und sind reich an Proteinen und Vitamin B.

 

Freitag, den 3.5., fuhren wir nach Obuse, wohin Takazumi uns wegen der köstlichen Eßkastanien-Eiscremes hingefahren hatte. Dort gab es auch Plantagen von Spalierobst, vor allem von Äpfeln. Wieder konnten wir in einem typischen japanischen Restaurant Soba-Nudeln essen.

Wir fuhren weiter zum Horakuan Tempel in Suzaka City, wo wir übernachteten. Das war ein besonderes Erlebnis. Es ist ein Retreat Zentrum des Zen-Buddhismus, im Aufbau,  malerisch gelegen in den Bergen. Die Leiterin ist eine Deutsche, die bereits fast 40 Jahre in Japan lebt, deren Mann Japaner ist und ebenfalls Lehrer des ZEN-Buddhismus.

Wir aßen an niedrigen Tischen. Es war recht kühl in der abgelegenen Bergregion. Am Abend fuhren wir zu den heißen Quellen, die nicht allzuweit entfernt waren und kamen gut durchwärmt zum Schlafengehen zurück, wo wir unter 4 Decken die Nacht ohne zu frieren schlafen konnten, trotz der typischen dünnen Wände. Die Nachttemperaturen lagen um 10 Grad Celsius.

Früh am Morgen machten wir eine Gehmeditation durch den morgendlichen menschenleeren Wald und anschließend eine Meditation im Tempelraum.

Nach dem Frühstück konnten wir uns noch ein wenig über die Entstehung dieses malerisch gelegenen ZEN-Zentrums unterhalten, bevor es zurück nach Tokio ging, wieder mit der Hokuriku Shinkansen Line.
 

Was uns in Japan besonders beeindruckt hat, war  das ausgeprägte Verhalten der Japaner im Sinne des Gemeinwohls. Das zeigt sich am täglichen Umgang miteinander,  auf der Straße,  bei der Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, an der Rücksichtnahme für andere, an der Freundlichkeit, an der beeindruckenden Hilfsbereitschaft, auch an der Sauberkeit und an der Pflege von Musik und Kultur. Nie haben wir ein lästiges Gedränge  oder Schubsen erlebt. Es ähnelt  Deutschland in den aufstrebenden 70er Jahren, bevor die Linksintellektuellen der sogenannten 68er-Generation, mit Macht einen Keil zwischen die Generationen  trieben, was zu andauernden Kravallen in den Hörsälen und auf der Straße führte und später auch zu Morden und Sabotagen an den Stromversorgungsanlagen.

Japan ist eins der größten Geberländer für Entwicklungsprojekte, meidet andererseits jedoch konsequent die Überflutung durch Migranten und Sozialparasiten. Der Anteil der Bewohner mit Migrationshintergrund liegt bei unter 2 Prozent.

Im kommenden Jahr ist Tokyo Austragungsort der Olympischen Sommerspiele.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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